Ein Inkassounternehmen, auch Inkassobüro genannt, ist ein Dienstleister, der Gläubigern dazu verhilft, geschuldetes Geld einzutreiben. Leider sind in der Branche unseriöse Geschäftspraktiken weit verbreitet.

Inhaltsverzeichnis

    • Eintreiben von Forderungen
    • Sind alle Inkassounternehmen seriös?
    • Woran erkenne ich ein (un)seriöses Inkassounternehmen?
    • Welche Kosten darf das Inkassounternehmen veranschlagen?
    • Erfolgt ein Schufa-Eintrag?
    • Kommen große wuchtige Männer und/oder werde ich verurteilt?
  • Wie verhalte ich mich richtig?

So gibt es Inkassofirmen, die mit zwielichtigen Dienstleistungen Kasse machen wollen. Sie bauen eine Drohkulisse von Mahnbescheid über Zwangsvollstreckung bis hin zum Gerichtsvollzieher auf, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Mit unseren Antworten auf häufig gestellte Fragen versuchen wir, die Spreu vom Weizen zu trennen und Ihnen Tipps zu geben, wie Sie auf Inkasso-Forderungen reagieren können.

Eintreiben von Forderungen

Ein Inkassounternehmen darf Forderungen eintreiben, auf die ein Gläubiger, Ihr Vertragspartner (Händler, Telefongesellschaft, Versicherungsunternehmen usw.), Anspruch hat. Das heißt, Sie hätten schon längst bezahlen müssen, haben aber auf Zahlungsaufforderungen nicht reagiert und befinden sich nun in Zahlungsverzug.

Aber auch wenn Sie bei Vertragsabschluss vereinbart haben, innerhalb einer bestimmten Anzahl von Tagen bzw. zu einem bestimmten Termin den Betrag zu zahlen und Ihrer Zahlungspflicht nicht nachkommen, können Inkassounternehmen tätig werden. Ihr Vertragspartner muss Ihnen in solchen Fällen keine Rechnung ausstellen oder Sie zur Zahlung anmahnen.

Inkassounternehmen handeln entweder in Vollmacht für ein Unternehmen oder aber Sie kaufen Forderungen auf.

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Video: verbraucherzentrale.de

Sind alle Inkassounternehmen seriös?

Nein. Viele Inkassofirmen wollen mit dubiosen Dienstleistungen Kasse machen. Sie drohen mit Mahnbescheiden oder Zwangsvollstreckung bis hin zum Gerichtsvollzieher oder zur „Kontosperre“, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Anhand der Schreiben können die betroffenen Verbraucher oftmals gar nicht erkennen, wo die noch offenen Rechnungen herrühren und ob die Forderungen berechtigt sind. Durch aggressive Wortwahl und durch vermeintlich drohende Gerichtsverfahren erreichen die Inkassounternehmen ihr Ziel: Die verängstigten Adressaten stimmen der erhobenen Geldforderung zu und zahlen, selbst wenn sie nicht müssten.

Wenn Sie von einem Inkassounternehmen eine Zahlungsaufforderung erhalten, verlangen Sie das Original der Vollmacht oder Abtretungsurkunde des Inkassounternehmens.

Inkassounternehmen müssen klar und verständlich insbesondere den Namen oder die Firma des Auftraggebers, den Forderungsgrund, sowie bei Verträgen den Vertragsgegenstand und das Datum des Vertragsschlusses mitteilen.

Woran erkenne ich ein (un)seriöses Inkassounternehmen?

Jedes Inkassobüro muss gemäß §10 Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG) registriert sein. Es benötigt einen entsprechenden Registrierungsbescheid der zuständigen Aufsichtsbehörde. Wer das ist, ist in den Bundesländern unterschiedlich geregelt.. Ob ein Inkassobüro registriert ist, können Sie im Rechtsdienstleistungsregister kostenfrei nachprüfen.

Ist ein Inkassobüro nicht registriert, so begeht der Betreiber eine bußgeldbewährte Ordnungswidrigkeit. Für das Betreiben eines „wilden Inkassobüros“ kann ein Bußgeld bis zu 50.000 Euro verhängt werden.

Beachten Sie bitte, dass die Registrierung eines Inkassobüros allein nichts über dessen Seriosität aussagt. Auch registrierte Inkassobüros können unseriöse Methoden anwenden.

Ein nicht registriertes Inkassounternehmen können Sie bei der Aufsichtsbehörde  anzeigen. Welche Aufsichtsbehörde zuständig ist, können Sie ebenfalls im Rechtsdienstleistungsregister nachschauen. In der Regel ist diese einem oder mehreren Gerichten angegliedert.

Bereits aus dem ersten Schreiben des Inkassounternehmens muss hervorgehen, für wen die Bezahlung der Forderung beigetrieben wird. Darüber hinaus müssen sowohl der Vertragsgegenstand als auch das Datum des Vertragsschlusses konkret benannt werden. Auf Ihre Anfrage hin muss das Inkassounternehmen ergänzende Angaben machen, so unter anderem mitteilen

    • die Anschrift des Auftraggebers (die sogenannte „ladungsfähige“ Anschrift – Postfach reicht nicht),
    • Name oder Firma des (ursprünglichen) Gläubigers und
  • besonders wichtig: bei Verträgen die wesentlichen Umstände des Vertragsschlusses (zum Beispiel per Telefon oder persönlich im Ladenlokal).

Die einzutreibende Forderung muss nachvollziehbar sein. Ein seriöses Inkassobüro setzt Ihnen eine angemessene Frist zum Ausgleich der Forderung. Nicht in Ordnung ist es, wenn Sie ein Schreiben erhalten, dass auf einen Zeitpunkt datiert ist, der mehr als zwei Wochen vor der Zustellung liegt und die gesetzte Zahlungsfrist bereits mehrere Tage verstrichen ist. Ebenso wird ein seriöses Inkassobüro auf Ihre Einwände eingehen und von weiteren unbegründeten Zahlungsaufforderungen absehen.

Welche Kosten darf das Inkassounternehmen veranschlagen?

Anders als Rechtsanwälte berechnen Inkassounternehmen ihre Leistung nicht nach einer gesetzlichen Vergütungsordnung, sondern kalkulieren wie Kaufleute. Preise und Konditionen sind daher sehr unterschiedlich. Inkassokosten basieren auf den Preisen und Konditionen, die die Inkassounternehmen mit ihren Auftraggebern vereinbart haben. Die Höhe dieser Kosten hängt von den Umständen des Einzelfalles ab. Um Preistreiberei zu verhindern, sind die Inkassokosten für die Inkassodienstleister „gedeckelt“, das heißt, die Inkassokosten dürfen nicht die entsprechenden Rechtsanwaltskosten nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz für Inkassotätigkeiten überschreiten.

Sie müssen nicht zahlen, wenn Sie sich sicher sind, keinen Vertrag mit dem Unternehmen abgeschlossen zu haben, in dessen Auftrag die konkrete Forderung einkassiert werden soll. Um Ihnen Inkassokosten in Rechnung stellen zu können, müssen Sie sich in Zahlungsverzug befinden. Verzug setzt eine bestehende, fällige und durchsetzbare Forderung voraus.

Rechnungen von Inkassobüros sollten Sie stets sorgfältig prüfen. Hinterfragen Sie dabei jede Position; denn die Rechnungen sind häufig überhöht.

Stellt Ihnen das Inkassounternehmen Kontoführungskosten in Rechnung, müssen Sie diese nicht bezahlen. Die Kontrolle der Forderung und der Eingang der Zahlung gehören zur allgemeinen Geschäftstätigkeit des Inkassounternehmens und sind über die Inkassogebühr gedeckt.

Macht das Inkassounternehmen Zinsforderungen geltend, muss es detaillierte Angaben zur Berechnung der Zinsen machen, d.h. es muss den Zinssatz und den Zeitraum, für den die Zinsen geltend gemacht werden, angeben. Zinsforderungen sind entsprechend den gesetzlichen Vorschriften gegenüber Verbrauchern in Höhe von lediglich 5 Prozentpunkten über dem Basiszins zulässig.

Kosten zwischen vier und acht Euro für die Ermittlung einer Adresse oder für Nachfragen beim Einwohnermeldeamt sind gerechtfertigt, wenn Sie umgezogen sind und dies nicht ihrem ursprünglichen Vertragspartner mitgeteilt haben.

Hat das Inkassounternehmen die Forderung gekauft, darf es keine Inkassokosten verlangen. Es betreibt das Inkasso in eigener Sache.

Haben Sie Ihrem Vertragspartner von Anfang an klar gemacht, nicht zahlen zu wollen und haben Sie der unberechtigten Forderung widersprochen, darf kein Geld für das Inkasso verlangt werden.

Erfolgt ein Schufa-Eintrag?

Ein Eintrag bei der Schufa oder einer anderen Auskunftei ist nur zulässig, wenn es sich um eine berechtigte Forderung handelt und Sie die Rechnung trotz mindestens zweifacher Mahnung nicht bezahlen.

Wenn Sie die Forderung jedoch bestritten haben und dies dem Inkassounternehmen auch mitteilen, dürfen keine Daten übermittelt werden. Auch massive Drohungen mit einem Eintrag bei der Schufa sind nicht zulässig. Darüber hinaus haben Sie ein Auskunftsrecht bezüglich Ihrer gespeicherten Daten und das Recht, unzulässige Einträge löschen bzw. berichtigen zu lassen.

Kommen große wuchtige Männer und/oder werde ich verurteilt?

Bange machen gilt nicht! Es kommen keine großen, wuchtig aussehenden Männer zu Besuch oder in Ihre Wohnung, selbst wenn sich der vermeintliche Besuchsdienst ankündigt. Sie müssen einen Inkassomitarbeiter auch nicht in Ihre Wohnung lassen. Ebenso wenig werden Sie so ohne weiteres (strafrechtlich) verurteilt. Lassen Sie sich nicht von Urteilen irritieren, die den Zahlungsaufforderungen anhängen. Diese betreffen immer nur einen Einzelfall und nicht automatisch Ihre konkrete Situation.

Lassen Sie sich auch nicht davon einschüchtern,

    • wenn damit gedroht wird, Polizei und Staatsanwaltschaft einschalten zu wollen,
    • wenn ein Mahn- oder Vollstreckungsbescheid angekündigt werden,
    • wenn eine Kontosperre angedroht und deren Folgen in allen Einzelheiten beschrieben werden,
  • wenn nach Erlass eines Vollstreckungsbescheides die Zwangsvollstreckung Ihrer Bezüge, Rente, Ihres Arbeitslosengeldes durch den Gerichtsvollzieher folgen sollen!

Bevor der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht oder eine Kontosperre veranlasst werden kann, muss ein Gerichtsverfahren abgeschlossen sein und ein vollstreckbarer Titel oder ein abgeschlossenes Mahnverfahren und ein Vollstreckungsbescheid vorliegen. Dafür müsste jedoch zunächst ein Mahnbescheid erlassen worden sein. Sollte dies der Fall sein, widersprechen Sie diesem innerhalb von zwei Wochen, sofern Sie der Auffassung sind, die geltend gemachte Forderung sei dem Grunde oder der Höhe nach nicht berechtigt.

Erst danach muss das Inkassounternehmen den geltend gemachten Anspruch umfassend darlegen und als Klageschrift bei Gericht einreichen. Ein Richter hat dann über die geltend gemachte Forderung zu entscheiden. Und genau das wollen die Unternehmen oftmals nicht, zumindest dann nicht, wenn es sich um auf wettbewerbswidrige und unerlaubte Telefonanrufe beruhende untergeschobene Verträge oder vermeintliche Gewinnmitteilungen handelt.

Achten Sie darauf, dem Inkassounternehmen keine Abtretung zu erteilen. Diese werden oft bei Vereinbarung einer Ratenzahlung verlangt. Meist ist eine Abtretung des Lohns / Gehalts vorgesehen. Es können aber auch andere Vermögenswerte oder Einkommensarten abgetreten werden, z. B. Lebens- und andere Versicherungen, Lohnsteuer-Rückzahlungen, Krankengeld oder das Kontoguthaben. Streichen Sie einen solchen Absatz in der Ratenzahlungsvereinbarung oder verweigern Sie die Unterschrift. Denn wenn Sie eine Abtretung erteilt haben, entfällt für das Inkassounternehmen zunächst der Weg zum Gericht und es kann sich unmittelbar an Ihren Arbeitnehmer oder Ihr Kreditinstitut wenden, wenn Sie die Raten nicht mehr zahlen können.

Wie verhalte ich mich richtig?

Reagieren Sie!

    • Überprüfen Sie, ob die Forderung gegen Sie zu Recht besteht. Wenn ja, müssen Sie zahlen. Erhalten Sie aber von einem Inkassounternehmen eine Zahlungsaufforderung, obwohl Sie dieser unberechtigten Forderung bereits nach Erhalt der Rechnung widersprochen haben, verweisen Sie auf den Widerspruch, und lehnen Sie eine weitere Geltendmachung als zwecklos ab.
    • Haben Sie der geltend gemachten Forderung noch nicht widersprochen, reagieren Sie umgehend. Begründen Sie gegenüber dem Inkassounternehmen umfassend, weshalb Sie widersprechen und welche Einwände Sie haben.
    • Wenn Sie erstmalig auf das Schreiben eines Inkassobüros reagieren, führen Sie den Schriftverkehr immer per Einschreiben mit Rückschein oder bei Postfächern mit Einwurf-Einschreiben. So halten Sie einen Beweis in Händen. Schreiben Sie stets das Inkassounternehmen an und setzen Sie die Firma, mit der Sie den vermeintlichen Vertrag geschlossen haben sollen, mit einer Kopie des Schreibens in Kenntnis.
    • Wenn die Forderung nicht berechtigt ist, zahlen Sie nicht, auch keinen anteiligen Betrag, denn das könnte als Anerkenntnis gewertet werden. Ebenso wenig sollten Sie eine vom Inkassounternehmen vorgeschlagene Ratenzahlungsvereinbarung unterzeichnen, um die Forderung „abzustottern“. Mit einer solchen Vereinbarung erkennen Sie die Forderungen an und verlieren die Möglichkeit, sie zu bestreiten. Sie müssten dann selbst eine eigentlich unbegründete Forderung bezahlen oder hätten es zumindest erheblich schwerer, wenn Sie dann doch nicht (mehr) zahlen wollten.
    • Auch wenn die Forderung berechtigt ist, heißt dies nicht, dass Sie sämtliche vom Inkassobüro geltend gemachten Inkassokosten zahlen müssen. Überprüfen Sie die Kosten. Lassen Sie sich im Zweifel von einer Verbraucherzentrale beraten, welche Kosten angemessen sind.
    • Zahlen Sie nicht einfach drauflos. Denn Sie erkennen mit der Zahlung auch die überhöhten Inkassokosten an. Und wenn Sie dem Inkassounternehmen nicht klar sagen, was genau Sie bezahlen wollen, werden Ihre Zahlungen zunächst auf die (Inkasso)Kosten verrechnet.
    • Kleinstraten lohnen sich oft nicht. Denn sie können die Kosten höher treiben. Inkassounternehmen berechnen oft so hohe Kosten, dass die Forderung trotz der Ratenzahlung immer höher wird.
    • Mit einer Ratenzahlungsvereinbarung erkennen Sie oft noch zusätzliche ungünstige Bedingungen an. Achten Sie vor allem darauf, keine Abtretungen zu unterzeichnen. Sind Lohn-, Konto- oder sonstige Abtretungen in der Ratenzahlungsvereinbarung, die das Inkassounternehmen Ihnen zugeschickt hat, enthalten, sollten Sie diese unbedingt streichen. Grundsätzlich gilt: Unterschreiben Sie nichts, was Sie nicht verstehen.
  • Lassen Sie sich nicht einschüchtern! Mit Drohgebärden versucht man, Sie zur Zahlung zu bewegen. Auch hier gilt: Lassen Sie sich beraten, wenn Sie unsicher sind, ob die von den Inkassounternehmen beschriebenen Maßnahmen tatsächlich drohen.

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Untersuchung

Kartellamt kritisiert Tricks von Vergleichsportalen

Das Bundeskartellamt hat 36 Vergleichsportale im Internet untersucht – nicht alle arbeiten demnach neutral und transparent.

DPA

Zentrale des Vergleichsportals Check24 (Symbolbild)

Donnerstag, 11.04.2019   17:06 Uhr

Wer ein Online-Vergleichsportal nutzt, erwartet wahrscheinlich eine Plattform, die verschiedene Angebote neutral darstellt. Doch das sei häufig nicht der Fall, bemängelt das Bundeskartellamt in einer Untersuchung.

Verbraucher könnten mithilfe der Portale zwar bessere und günstigere Leistungen finden. „Wir haben aber auch verbraucherunfreundliche Tricks mancher Portale aufgezeigt“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt bei der Vorstellung der Ergebnisse. Einige Verhaltensweisen der Vergleichsportale entsprächen „nicht dem Idealbild einer neutralen Plattform“, heißt es im Abschlussbericht.

Die Wettbewerbsbehörde hatte 36 Vergleichsportale für die Branchen Reisen, Energie, Versicherungen, Telekommunikation und Finanzen untersucht. Bei

Versicherungen und Hotels würden teilweise wichtige Anbieter nicht in den Vergleich einbezogen, stellte das Kartellamt dabei fest. Das machten aber nur einige Portale hinreichend transparent.

Beim Vergleich von Energie- und Telekommunikationstarifen zeigten viele Portale einzelne Angebote über dem eigentlichen Ranking an, auf der sogenannten Position 0. Dafür erhielten die Portale teilweise Zahlungen von den Anbietern, ohne den Verbraucher darüber zu informieren, dass es sich um Werbung beziehungsweise eine Anzeige handelt.

Mundt riet den Verbrauchern, zu kontrollieren, wie ein Ranking zustande gekommen sei und ob möglichst viele Angebote eingeflossen seien. Auch sollten sie sich nicht „unter Druck setzen lassen von angeblichen Knappheiten oder Exklusivangeboten, die vielleicht gar keine sind“. Das Kartellamt hat dazu ein Video mit konkreten Tipps veröffentlicht:

Bundeskartellamt: Richtiger Umgang mit Vergleichsportalen im Internet

ieses Video auf www.youtube.com</a> an oder aktiviere JavaScript, falls es in deinem Browser deaktiviert sein sollte.</div></div>

Um bei Verstößen gegen Verbraucherrechte einschreiten zu können, wünscht sich Mundt mehr Kompetenzen. Das Kartellamt müsse die Portale verpflichten können, festgestellte Mängel zu beheben, forderte der Behördenchef. Spezielle Transparenzvorgaben für Vergleichsportale seien dagegen nicht sinnvoll.

Check24 und Verivox sehen sich gestärkt – werden aber auch kritisiert

Die beiden großen Vergleichsportale Check24 und Verivox sehen sich durch die Untersuchung des Kartellamts gestärkt. Der Bericht bestätige, „dass die Rankings bei Check24 rein nach objektiven Kriterien erfolgen“, sagte Geschäftsführer Christoph Röttele. Verivox-Geschäftsführer Joern Taubert sagte, das Bundeskartellamt habe eindeutig klargestellt, „dass Provisionszahlungen mit Ausnahme des Reisebereichs keinen Einfluss auf die Reihenfolge der Vergleichsergebnisse haben“. Position-0-Angebote würden bei Verivox deutlich sichtbar als Anzeige ausgewiesen, fügte ein Sprecher hinzu.

Dabei schreibt das Bundeskartellamt in seiner Untersuchung jedoch auch, dass beide Anbieter Position-0-Angebote schalten – bei Strom- und Gastarifen seien das „jeweils zwei Tarife, die außerdem mit Hinweisen wie ‚Top Service‘ und ‚Bester Service‘ bezeichnet werden“.


Check 24 und Verivox dominieren laut Kartellamt bei den Vergleichsportalen zu Energie und Telekommunikation, bei Versicherungen sei Check 24 das führende Portal. Bei Reiseportalen sei die Konzentration dagegen geringer. Die Portale finanzieren sich laut Kartellamt überwiegend über Vermittlungsprovisionen. Verivox gibt auf seiner Internetseite an, für die Vermittlung eines Strom- oder Gasvertrags durchschnittlich 40 bis 60 Euro zu erhalten.

kko/dpa

 

Die Story im Ersten: Milliardengeschäft Inkasso

PlayDie Finanzbeamtin Anke R. sitzt in der Schuldenfalle.
Die Story im Ersten: Milliardengeschäft Inkasso | Video verfügbar bis 01.04.2020 | Bild: NDR/PIER 53 Filmproduktion / Boris Mahlau

Anke R. ist Finanzbeamtin im gehobenen Dienst. Nie hätte sie sich träumen lassen, dass sie mal vor einem Berg Schulden enden würde. Doch ihr verstorbener Mann scheiterte als Freiberufler, verließ die Familie und weigerte sich, Unterhalt zu zahlen. Anke R. blieb mit den Schulden zurück. „Wenn es klingelte, hab ich den Kindern gesagt, sie sollen bloß nicht aufmachen. Weil ich Angst hatte, dass draußen die Leute vom Inkassounternehmen stehen.“

So wie Anke R. geht es immer mehr Deutschen. Mit den Schulden kommen die Inkassobriefe. Und wer die Raten nicht bezahlen kann, bekommt immer neue Forderungen ins Haus. Da ist man schnell mit dem Doppelten oder Dreifachen des eigentlichen Betrages in den Miesen. Anke R. zum Beispiel schätzt, dass ein Drittel ihrer Schulden allein Inkassogebühren sind.

 

Ein lukratives Geschäft

 
Heiner Gutbrod berät zahlungsunfähige Jugendliche.

Heiner Gutbrod berät zahlungsunfähige Jugendliche. | Bild: NDR/PIER 53 Filmproduktion / Boris Mahlau

Für die Inkassoindustrie ist das ein extrem lukratives Geschäft. Rund fünf Milliarden Euro setzt sie in Deutschland jährlich um, Tendenz steigend. Denn der Onlinehandel und ein wachsender Konsum bringen immer mehr unbezahlte Rechnungen mit sich. Schon heute sind knapp sieben Millionen Deutsche überschuldet: jeder zehnte Erwachsene.

Dabei sind bei weitem nicht alle Inkassoforderungen rechtens. Häufig finden sich Rechnungen mit Fantasiegebühren, überhöhten Zinssätzen und mehrfach gestellte Forderungen. Oder Minderjährige werden illegal in Ratenzahlungen gedrängt, so wie es Christian G. ergangen ist. Mit 19 steckt der Auszubildende so tief im Schuldensumpf, dass er allein nicht mehr rauskommt.

 
Der 19-jährige Christian G. bekommt ständig Inkassobriefe.

Der 19-jährige Christian G. bekommt ständig Inkassobriefe. | Bild: NDR/PIER 53 Filmproduktion / Boris Mahlau

Die „doppelte Ernte“

Besonders dubios: die sogenannte „doppelte Ernte“. Auf eine offene Forderung hin mahnen sowohl ein Inkassobüro als auch eine Anwaltskanzlei. Da landet der Schuldner bei einer Forderung von 20 Euro schnell bei einem Gesamtbetrag von 150 Euro. Besonders erschreckend: Selbst große und bekannte Unternehmen sind an dieser Praxis beteiligt und versuchen mit allen Mitteln, eine Berichterstattung zu vermeiden.

Für seine aufrüttelnde Dokumentation ist Grimme-Preisträger Michael Richter durch die halbe Republik gefahren, um Schuldner zu treffen, die sich trotz Scham an die Öffentlichkeit trauen. Sein Film erzählt, wie eine Industrie für ihren Profit bewusst in Kauf nimmt, dass Menschen immer tiefer abrutschen. Auch weil die Gesetzeslage den Inkassounternehmen zu viel Spielraum lässt, das räumt sogar das verantwortliche Bundesministerium im Film ein.

https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/milliardengeschaeft-inkasso-100.html

Ein Film von Michael Richter

 

Windige Geschäfte mit Bitcoins
Geld in den digitalen Orbit geschickt

Ob strategische Anleger, oder Glücksritter – viele hoffen mit Bitcoins das große Geld zu machen. Doch statt hohe Ausschüttungen einzufahren, sind die Anleger-Konten plötzlich leer. Und: Wer gegen den betrügerischen Club vorgeht, wird schnell selbst zur Zielscheibe.

XY-Szenenfoto: Bis die Opfer merken, dass ihre Renditen ausbleiben, ist die gesamte Investitionssumme bereits verloren…

Quelle: ZDF

Seit etwa zehn Jahren gibt es Bitcoin, eine sogenannte Kryptowährung, ein digitales Zahlungsmittel. Jeder kann Bitcoins kaufen und damit bezahlen. Oder in leistungsstarke Computer investieren, die mit Hilfe eines komplexen Algorithmus‘ neue Bitcoins generieren. Dieser Vorgang heißt in der Fachsprache auch „Schürfen“.

Geld landet direkt auf Betrüger-kontenhttps://www.zdf.de/gesellschaft/aktenzeichen-xy-ungeloest/xyvb4-fall1-geschaefte-mit-bitcoins-100.html#xtor=CS5-21

 

Woplay, Streamba, Oneflix & Co.: Beschwerden zu Fake-Streaming-Webseiten reiẞen nicht ab

26.03.2019

Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz warnt erneut vor betrügerischen Streaming-Angeboten im Netz

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Warnung vor betrügerischen Streaming-Angeboten im Netz

Warnung vor betrügerischen Streaming-Angeboten im Netz
© pixinoo / 123rf

Über das Frühwarnnetzwerk der Verbraucherzentralen erhält das Marktwächter-Team aus Rheinland-Pfalz zahlreiche Beschwerden zu einem Netzwerk von dubiosen Video-Streaming-Webseiten. Im Internet tauchen immer neue Webseiten mit „flix“, „play“ und „stream“ im Namen auf. Die Verbraucherschützer raten daher zur Vorsicht: Wer im Netz nach einem kostenlosen Streaming-Dienst sucht, kann leicht auf eine dieser dubiosen Webseiten stoßen. Anstelle von Filmen und Serien erhalten Verbraucher Rechnungen für angebliche Jahresabos, gefälschte Inkassoschreiben und Pfändungsandrohungen.

Über Verbraucherbeschwerden und eigene Recherchen identifizierten die Marktwächter-Experten inzwischen über 200 nahezu identisch aussehende, dubiose Streaming-Webseiten – und regelmäßig kommen neue dazu. Die Webseiten unterscheiden sich lediglich durch die URL und den Namen im Logo. Aufgrund ihrer professionellen Aufmachung sind sie schwer von seriösen Webseiten zu unterscheiden.

LOCKMITTEL: KOSTENLOSES PROBEABO

Die Betreiber dieser Seiten versuchen Internetnutzer mit vorgetäuschten kostenlosen Angeboten in eine Abofalle zu locken: Doch nach der Registrierung kann man weder die beworbenen Filme oder Serien schauen, noch kommt eine Vertragsbestätigung per E-Mail, in der man über die Kosten eines automatisch verlängerten Jahresabos informiert wird. Eine Rechnung über bis zu 360 Euro für ein Jahresabo erhalten betroffene Verbraucher – darunter auch Minderjährige – aber wenige Tage später trotzdem. Dabei werden sie nicht nur per E-Mail, sondern zum Teil auch per Telefon aggressiv aufgefordert, den Betrag umgehend zu begleichen.

FALSCHE INKASSOSCHREIBEN UND PFÄNDUNGSANDROHUNGEN

Um weiter Druck auf Betroffene auszuüben und sie zur Zahlung zu bewegen, verschicken die Betrüger falsche Inkassoschreiben mit Zahlungsaufforderungen. Zum Teil auch E-Mails mit konkreten Pfändungsterminen. „Natürlich sind betroffene Verbraucher verunsichert, ob sie die Rechnung begleichen müssen“, so Manfred Schwarzenberg, Teamleiter Marktwächter Digitale Welt der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „Aber alle diese Druckmittel entbehren im konkreten Fall jeglicher rechtlichen Grundlage. Es geht einzig und alleine darum, Verbrauchern Geld aus der Tasche zu ziehen.“

Sogar für den Fall, dass besorgte Verbraucher im Netz nach Informationen suchen, haben die Betreiber der Webseiten vorgesorgt: Auf YouTube erklären vermeintliche „Anwälte“, die Forderungen seien rechtmäßig, da die Nutzungsbedingungen akzeptiert worden seien.

BETRÜGER BEDIENEN SICH FREMDER IDENTITÄTEN

Fortlaufend stellen die Betrüger neue Webseiten online. Dabei erfinden sie für das Impressum Namen oder missbrauchen fremde Identitäten. Hierbei handelt es sich um Firmen, die tatsächlich existieren, jedoch nichts mit den betrügerischen Maschen zu tun haben. Nach Erkenntnissen der Marktwächter-Experten verwenden die Kriminellen bei den vermeintlichen Inkassoschreiben und Pfändungsandrohungen ebenfalls Namen existierender Inkassobüros und Kanzleien. „Die Betreiber dieser Webseiten nutzen fremde Firmennamen, um bei Verbrauchern den Eindruck zu erwecken, es handele sich um eine echte Forderung“, erklärt Schwarzenberg. „Wir können Verbraucher daher nur zur Vorsicht raten und empfehlen, sich vorher genau über die Webseite zu informieren, auf der man sich registrieren möchte.“

Verbraucher, die unsicher sind, ob die Forderung einer Streaming-Webseite berechtigt ist, können sich bei Ihrer Verbraucherzentrale individuell beraten lassen. Eine Übersicht über nahegelegene Verbraucherzentralen und deren Beratungsangebot finden sie unter www.verbraucherzentrale.de/beratung

Hinweis: Das Marktwächter-Team prüft die neuen URLs und die in den Impressen genannten Firmen nach bestem Wissen und Gewissen. Da die Möglichkeit eines Identitätsdiebstahls besteht, können wir im Einzelfall nicht ausschließen, dass die genannten Anbieter laut Impressum nicht die wahren Betreiber des Dienstes bzw. der Webseite sind. Sobald uns in solchen Fällen sichere Informationen diesbezüglich erreichen, aktualisieren wir unsere Meldung.

Please note: The team of Market Watch Digital World is constantly reviewing new URLs and company names mentioned in the imprints of the dubious streaming websites to the best of our knowledge and belief. Nevertheless, we cannot completly exclude the possibility of an identity theft. In individual cases, there might be companies named in the imprints that are not the true operators of the services or the streaming websites. Therefore, we will update our press release as soon as we receive secure information on an identity theft.

Bisher durch Verbraucherbeschwerden und Recherchen des Marktwächter-Teams identifizierte Webseiten:

Westerwaldkreis

Falsche Polizisten versuchen Abzocke am Telefon: Täter haben Senioren im Visier

08.03.2019, 12:11 Uhrzuletzt aktualisiert: vor 3 Stunden

Es vergeht kaum ein Tag, an dem keine Meldung über irgendwelche Betrüger veröffentlicht wird. Besonders perfide ist die Masche der „falschen Polizisten“. Die Täter haben es vor allem auf Senioren abgesehen – und leider oftmals Erfolg.

Es ist kurz nach 19 Uhr, als ein Westerburger am Mittwochabend einen Anruf erhält. Ihm ist die auf dem Display aufblinkende Rufnummer zwar unbekannt, da es sich aber um eine …https://www.rhein-zeitung.de/region/lokales/westerwald_artikel,-falsche-polizisten-versuchen-abzocke-am-telefon-taeter-haben-senioren-im-visier-_arid,1945228.html?fbclid=IwAR39mEsRMwsPySgAjCDRiw8nTyNDFXyjOpk2F9opiYKpg7B-5PI24EUjxN0

 

Pressemitteilung der Polizeiinspektion Montabaur
vom 07.03.2019 14.55 Uhr

Zwischen 11:00 Uhr und 12:10 meldeten sich heute mehr als 50, überwiegend ältere Menschen aus dem Bereich Montabaur über den Notruf bei der Polizeiinspektion Montabaur und gaben an, dass sie von offensichtlich falschen Polizeibeamten angerufen wurden. Die falschen Polizisten versuchten die Bürger über ihre Ersparnisse und Bargeld auszufragen. In allen uns bekannt gewordenen Fällen wurde das Gespräch durch die Betroffenen sofort abgebrochen. Die Kripo Montabaur ermittelt in diesen Fällen.

Die Polizei warnt erneut: Polizeibeamte rufen niemals bei Ihnen zu Hause an und fragen Sie nach Ersparnissen oder Bargeld. Legen Sie bei solchen Anrufen sofort auf und informieren sie die Polizei.

Rückfragen bitte an:

Polizeidirektion Montabaur

Telefon: 02602-9226-0

www.polizei.rlp.de/pd.montabaur

EINKAUFSFALLE SUPERMARKT

 

Pink Tax: Frauen zahlen mehr

Frauen sollten beim Kauf von Drogerieartikeln wie Rasierutensilien, Körperpflegeprodukten oder Parfüms besser genau hinschauen. Denn: Hersteller und Händler verlangen für „weibliche“ Produkte oft etwas mehr. Mit einer erfundenen Pflegeserie machen wir zum Weltfrauentag auf das Phänomen der sogenannten Pink Tax aufmerksam.

https://www.vzhh.de/themen/lebensmittel-ernaehrung/einkaufsfalle-supermarkt/pink-tax-frauen-zahlen-mehr

 

Die Schule macht sich kleine graue Kinder, blass und brav,

Die funktionier‘n und nicht in Frage stellen,

Wer aufmuckt, wer da querdenkt, der ist schnell das schwarze Schaf.

Sie wollen Mitläufer, keine Rebellen,

Ja-Sager wollen sie, die sich stromlinienförmig ducken,
Die ihren Trott nicht stör‘n durch unplanmäß‘ge Phantasie,
Und keine Freigeister, die ihnen in die Karten gucken
Und die vielleicht schon ein Kapitel weiter sind als sie.
Reinhard Mey-Faust in der Hand
https://youtu.be/0s9NyjJw5xE
https://youtu.be/KeSVBqIf1GI

YOUTUBE.COM

Max Uthoff über den Drill in der Schule

Mehr Kabarett: http://www.youtube.com/playlist?list=PL5E8FF90CEE90B5BA Tags: Max Uthoff…

 

Phishing: Aufgepasst bei vermeintlichen E-Mails von eBay und Telekom

Mit Phishing-Mails versuchen Internetkriminelle aktuell, eBay-Anmeldedaten abzugreifen: Die Mails führen auf gefälschte Log-in-Seiten. Das perfide: Diese Mails liegen tatsächlich auf eBay-Servern. Wer auf den Link klickt und die Anmeldemaske ausfüllt, verschickt die Daten jedoch an Betrüger. eBay hat die betroffenen Seiten mittlerweile gesperrt.

Zur Meldung von Heise Online: https://www.heise.de/security/meldung/eBay-Phishing-auf-eBay-Seite-4324266.html

Zum Tweet von CERT-Bund: https://twitter.com/BSI_Bund?lang=de

Wie Nutzerinnen und Nutzer Phishing-Mails erkennen und welche Schutzmöglichkeiten es gibt, lesen Sie auf bsi-fuer-buerger.de: https://www.bsi-fuer-buerger.de/BSIFB/DE/Service/Aktuell/Informationen/Artikel/email_phishing_bankbetrug.html

 

Online-Betrug Wie Kriminelle über Ebay Kunden abzocken

ebay-Logo
Echter Account, falscher Verkäufer: Die Trickbetrüger in den Internetportalen sind nur schwer zu erkennen.

(Foto: Maurizio Gambarini/dpa)

  • Betrüger hacken Accounts in Internetportalen wie Ebay und verkaufen darüber Produkte, die gar nicht existieren.
  • Das Geld lassen sie sich auf Konten überweisen, die auf Namen von unbeteiligten Dritten laufen. Dabei nutzen sie das sogenannte Video-Ident-Verfahren.
  • Solche Betrugsfälle häufen sich seit etwa einem halben Jahr in Deutschland, berichten Verbraucherzentralen und Landeskriminalämter.
Von Felicitas Wilke

„Susanne und Stephan“ verschickten ihre Nachrichten stets mit einem „lieben Gruß“ und wünschten auch mal formvollendet einen „schönen 2. Advent“. Trickbetrüger klingen anders, dachte sich Matthias Gruber und bestellte bei Ebay-Verkäufer „Stephan“ im Dezember vergangenen Jahres eine gebrauchte Digitalkamera. „Günstig, aber nicht übertrieben billig“ sei sie gewesen, kein Grund, um misstrauisch zu werden. Die 720 Euro sollte Gruber, der in Wirklichkeit anders heißt, aufs Konto von Susanne überweisen.

Kurz darauf meldete sich der echte Stephan: Sein Account war gehackt worden, eine Kamera hatte er bei Ebay nie zum Verkauf gestellt. Und Susanne, sollte sich herausstellen, hat mit Stephan nichts zu tun, sondern lebt Hunderte Kilometer entfernt und hat die 720 Euro wohl nie erhalten. Denn auch sie, so vermutet es die Polizei, wurde Opfer des gleichen Trickbetrügers – und hatte wohl gegen ihren Willen ein Konto bei einer Bank eröffnet.

Digitale Privatsphäre Tote shoppen nicht
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Tote shoppen nicht

Eine Witwe soll Hunderte Euro zahlen, weil ihr verstorbener Mann angeblich etwas im Internet bestellt hat. So ein Identitätsdiebstahl kommt immer häufiger vor, schützen kann man sich kaum. Von Michael Kläsgen

Seit etwa einem halben Jahr mehren sich in Deutschland Fälle, wie sie Matthias Gruber, Stephan und Susanne erlebt haben. In Online-Foren tauschen sich Nutzer über die doppelte Betrugsmasche aus, auch die Verbraucherzentralen und Landeskriminalämter berichten davon. Immer wieder erschleichen sich Kriminelle Bankkonten, die auf den Namen eines unbeteiligten Dritten laufen. Darüber waschen sie beispielsweise Geld oder wickeln Zahlungen ab, die auf einem weiteren Betrug basieren, zum Beispiel auf niemals erfüllten Kaufverträgen bei Ebay.

Die Kriminellen erreichen Verbraucher über gefälschte Stellenanzeigen im Netz

Um ein Konto im Namen eines unbeteiligten Dritten zu eröffnen, haben die Betrüger ausgefeilte Strategien entwickelt. Eine besteht darin, im Namen bekannter Unternehmen wie Tchibo oder Zalando auf Online-Plattformen Stellenanzeigen zu schalten. Auf echt wirkenden Webseiten durchlaufen die Arbeitsuchenden einen vermeintlichen Bewerbungsprozess. Sie sollen ihren Personalausweis einsenden und werden „im laufenden Mailverkehr von den Tätern dazu aufgefordert, sich per Video-Ident-Verfahren zu identifizieren, da angeblich ein persönliches Vorstellungsgespräch nicht möglich sei“. So schildert es das LKA Niedersachsen.

In Wahrheit eröffnen die leichtgläubigen Opfer online ein Bankkonto, auf das die Täter Zugriff haben. Denn sie eröffnen das Konto im Namen des Dritten, hinterlegen jedoch ihre eigenen Kontaktdaten und erhalten demnach auch die Zugangsdaten zum Konto. So erging es auch einer Berlinerin, die ihren Fall der Verbraucherzentrale geschildert hat. Auf einem Online-Portal entdeckte sie eine vermeintliche Anzeige der Deutschen Bahn für eine Stelle als Grafikerin in Heimarbeit und bewarb sich.

Bevor es mit dem vermeintlichen neuen Job losging, sollte sie bei der angeblichen „Partnerbank“ online ihre Identität nachweisen. Da der vorgebliche Arbeitgeber ihr versichert hatte, dass sie das Konto lediglich für diesen Nachweis eröffnen müsse und es anschließend sofort gelöscht werden würde, schloss sie das Verfahren ab. Erst später erfuhr sie, dass es noch immer bestand und Dritte darüber Transaktionen abwickeln.

Offenbar nutzen die Kriminellen schwierige persönliche Situationen der Opfer gezielt aus: Verbraucherschützer berichten, dass vor allem Arbeitslose und Arbeitnehmer, die nur von zu Hause arbeiten können, von dieser Vorgehensweise betroffen sind.

Und noch etwas fällt auf. Wer sich mit der Betrugsmasche befasst, stößt immer wieder auf den Namen von N26 – und zwar nicht nur in den Fällen von Matthias Gruber und der Berliner Grafikerin. Die Direktbank aus Berlin hat sich auf Online-Banking mit dem Smartphone spezialisiert, gilt als besonders innovativ und wirbt damit, dass Kunden bei ihr innerhalb weniger Minuten ein Konto eröffnen können. Erst Anfang des Jahres hat das Unternehmen 260 Millionen Euro von Investoren eingesammelt. Das LKA Niedersachsen hat festgestellt, dass „vermehrt“ N26 als „missbräuchlich verwendete Bank“ festgestellt werden könne. Bei den Fällen, die den „Marktwächtern“ bekannt sind, ist der Betrug sogar „immer im Zusammenhang mit der N26“ aufgetreten.

Die Finanzaufsicht hat schon vor zwei Jahren auf das Problem hingewiesen

Jörg Aus dem Bruch, der sich bei der Polizeidirektion Göttingen mit Geldwäschedelikten in Niedersachsen befasst, kennt aber auch ähnliche Fälle, in denen Konten bei anderen Geldinstituten eröffnet wurden, etwa bei der Fidor-Bank oder der Solaris-Bank. „Das ist vor allem ein Phänomen der Online-Banken, die das Video-Ident-Verfahren nutzen“, sagt Aus dem Bruch. Doch auch Filialbanken, die mit der Zeit gehen wollen und ihren Kunden ermöglichen, auf diese Weise online ein Konto zu eröffnen, könnten betroffen sein. Die Finanzaufsicht Bafin hat bereits vor knapp zwei Jahren in einem Rundschreiben darauf hingewiesen, dass Banken „ihre Mitarbeiter dahingehend schulen müssen, dass sie zweifelsfrei feststellen, dass die zu identifizierende Person nach eigenem Willen das jeweilige Produkt beim entsprechenden Anbieter erwirbt“.

Daran halte sich N26, heißt es bei der Bank auf Anfrage. Warum die Betrugsfälle gerade im Zusammenhang mit der Smartphone-Bank gehäuft auftreten, dafür liefert N26 keine Erklärung. Das Unternehmen weist aber darauf hin, die Problematik zu kennen und die Verbraucher schon vor Monaten auf dem eigenen Blog darüber aufgeklärt zu haben, wie sie sich vor Identitätsdiebstahl schützen können. Man informiere die Kunden im Zuge des Video-Ident-Verfahrens „gleich im ersten Schritt, ob sie sich darüber bewusst sind, dass sie ein Bankkonto bei N26 eröffnen“, teilt die Bank Auch die Solaris-Bank gibt an, „die notwendigen Sicherungsmaßnahmen“ gemeinsam mit ihrem Video-Ident-Dienstleister umgesetzt zu haben, die Fidor-Bank verweist auf ein „umfangreiches Sicherheitskonzept“, ohne es genauer zu definieren. Wenn man Details weitergebe, heißt es bei der Bank, könnten die Betrüger diese Informationen gezielt nutzen.

Damit Verbraucher gar nicht erst Opfer von Identitätsdiebstahl werden, rät Kerstin Schultz von der Verbraucherzentrale Sachsen, „niemals“ auf Anweisung von Dritten ein Konto zu eröffnen und persönliche Daten, Informationen und Dokumente mit ihnen zu teilen. Den Menschen, die auf den Trick hereingefallen sind, empfiehlt sie, die Bank zu kontaktieren und Anzeige bei der Polizei zu erstatten.

Der Kundenservice war bei Fragen zur Betrugsmasche nur schwer zu erreichen

Auch Matthias Gruber erstattete Anzeige und schickte eine E-Mail und ein Fax an N26. Ihm wurde zwar nicht die Identität gestohlen, doch er war indirekt betroffen – indem die Transaktion für die Kamera, die er gekauft hatte und die es nie gab, über das Konto abgewickelt wurde. Er machte die Bank auf das mutmaßlich missbräuchlich genutzte Konto aufmerksam und hoffte darauf, sein Geld vielleicht doch wiederzusehen. Nach zwei Wochen erhielt er eine Nachricht, in der vage die Rede davon war, dass der Fall an die „zuständige Fachabteilung weitergegeben“ worden sei. Auch bei der Verbraucherzentrale beschwerten sich Kunden, dass die Bank im Zuge der Betrugsfälle nur schwierig zu erreichen war. Inzwischen habe man den Kundenservice personell aufgestockt, heißt es dazu bei N26.

Matthias Gruber hat nichts mehr von der Polizei gehört, seit er im Dezember Anzeige erstattet hat. „Das Geld ist weg“, sagt er resigniert. Der Masche zum Opfer gefallen war Gruber, weil sich die Kriminellen Zugang zum Account eines echten Ebay-Verkäufers verschafft hatten und darüber die Kamera zum Verkauf stellten. Es kam zur Transaktion, obwohl Ebay nach eigenen Angaben eine „hochentwickelte Sicherheitssoftware“ verwendet, um Betrugsversuche so früh wie möglich zu erkennen. Tatsächlich erhielt Gruber eine Nachricht von Ebay, dass sich womöglich ein unbefugter Dritter ins Konto des Verkäufers gehackt hat. Zu diesem Zeitpunkt hatte Gruber die 720 Euro allerdings bereits überwiesen.

Da sich Überweisungen meist nicht rückgängig machen lassen, empfiehlt die Verkaufsplattform, per Kreditkarte, Lastschrift oder Paypal zu bezahlen. Kommt die Ware nicht an oder entspricht nicht der Beschreibung, erhalten die Kunden in diesem Fall ihr Geld zurück. Gerade bei teuren Produkten empfiehlt Ebay „ausdrücklich“, mit Paypal zu bezahlen. Für Matthias Gruber sind diese Hinweise nicht mehr von Interesse. Er hat genug vom Online-Shopping und sein Konto bei Ebay gelöscht. Geld übergibt er nur noch persönlich – wenn er dafür im Gegenzug direkt die Ware erhält.

 

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