Start

 

„Schützen Sie Ihre Wohnung/Haus vor ungebetenen Gästen“ 

                Herbst-Winterzeit = Einbruchzeit

 

Vorbeugen kann jede/r selbst:

1. gekippte Fenster sind offene Fenster, also immer   schliessen

2. Briefkasten regelmässig leeren (lassen)

3. Rolladen,Vorhänge beim Verreisen offen lassen

4. Schlüssel niemals unter Fussmatte o.ä.

5. Nachbar über Abwesenheit informieren

6. Mülleimer, Leiter, Gartenmöbel o.a.Hilfsmittel unter Fenster entfernen da Einbrecher oft Kletterkünstler

7. Zeitschaltuhr mit Licht, Fernseher (Simulator),Radio verbinden

8. Kellerfenster/Gitter sichern

9. Haus/Wohnungstür immer doppelt abschliessen-Querriegel/stabile Schliessbleche  anbringen – aussen helles Licht schreckt ab.

10. Soziale Netzwerke/Smartphone ruhen lassen.

Aktuell:
Mutmaßliche Einbrecher-Bosse vor Gericht

So viel Beute wie möglich

Selten gelingt es der Polizei, in die Führungsebene krimineller Organisationen vorzudringen. Nun jedoch sind Bosse eines Clans angeklagt, der zeitweise für jeden fünften Einbruch in Deutschland verantwortlich gewesen sein soll.

Von Jörg Diehl, Roman Lehberger, Ansgar Siemens und Takis Würger

An einem Freitagmorgen im Juni 2016 dringt jemand in das Haus der Eheleute D. im Münchner Stadtteil Schwabing ein. Er durchsucht das Anwesen, findet etwas Bargeld – Euro, Dollar, Schweizer Franken, britische Pfund – und dann entdeckt er den Schmuck. Geschmeide im Wert von etwa 100.000 Euro rafft er zusammen, dazu noch zwei Goldmünzen. Wahrscheinlich kann der Mann sein Glück selbst kaum fassen. Doch er ahnt nicht, dass die Polizei ihm bereits auf den Spuren ist.

Knapp ein Jahr später geben die Münchner Ermittler bei einer Pressekonferenz bekannt: Sie haben eine internationale Einbrecherbande ausgehoben, die für jeden fünften Einbruch in Deutschland zwischen Sommer 2016 und Frühjahr 2017 verantwortlich sein könnte – auch den in Schwabing. Falls sich die Vorwürfe vor Gericht bestätigen sollten, ist es ein gewaltiger Erfolg der Strafverfolger.

Denn die Münchner Fahnder beschränkten sich in ihren Ermittlungen nicht auf die kleinen Fische. Ihr Ehrgeiz war es, in einem sogenannten Strukturverfahren an die Hintermänner derer heranzukommen, die zum Klauen nach Deutschland geschickt werden. (Lesen Sie im aktuellen SPIEGEL, wie die Ermittler der Bande auf die Schliche kamen.) Es könnte ihnen gelungen sein.

Die Staatsanwaltschaft München I hat nun Anklage gegen zwei Frauen und drei Männer aus Kroatien erhoben, die zur Führungsebene der international agierenden Einbrecherbande gehören sollen. Jovanka V., 49, und ihr Mann Rade, 48, gelten den Ermittlern als Köpfe des Roma-Clans. Sie legten laut Anklage von Kroatien aus fest, wer zu den Diebstählen ausrückte und setzten ihre Handlanger – zumeist junge Frauen und Mädchen – telefonisch unter Druck.

Unter dem Paar agierten nach Erkenntnissen der Ermittler die Söhne der Eheleute V.: Drago S., 30, und Giorgio V., 21. Sie lebten als sogenannte Residenten in Gelsenkirchen – ebenso wie die ebenfalls angeklagte Viki B., 51 – und betreuten die eingereisten Einbrecherinnen vor Ort.

„Stark aufgebauscht“

Die Verteidiger haben indes starke Zweifel an den Inhalten der 41-seitigen Anklage. „Das Verfahren wird stark aufgebauscht“, sagt der Münchner Rechtsanwalt Bernhard von Brück, der Giorgio V. vertritt. „Meiner Ansicht nach übertreiben die Behörden in ihrem Verfolgungseifer. Viele Vorwürfe gegen meinen Mandanten werden sich in der Hauptverhandlung auflösen.“ Auch Rechtsanwalt Thorsten Dercar aus Essen, der Viki B. verteidigt, hält die Anklage für „sehr gewagt“. Zudem sei die Schätzung der Ermittler nicht haltbar, die Angeklagten seien für jeden fünften Einbruch in Deutschland verantwortlich gewesen. „Wir haben einen umfangreichen Prozess vor uns“, sagt Dercar.

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat insgesamt 14 Einbrüche angeklagt, für die das Quintett verantwortlich sein soll. Zehn der Taten ereigneten sich in Nordrhein-Westfalen, zwei in Hessen, einer in Niedersachsen und einer in Bayern. Das Vorgehen ähnelte sich in allen Fällen. Zumeist schickten die Bosse laut Anklage zwei oder drei jüngere Mitglieder des Clans in eine Gegend, um dort in kürzester Zeit so viel Beute zu machen wie möglich. Die Einbrecher suchten demnach gezielt nach Geld, Schmuck, Handys und übergaben die Beute anschließend den Residenten.

Einbruchsatlas Deutschland

20162015201420132012Entwicklung

Registrierte Fälle von Wohnungseinbruchdiebstahl je 100.000 Einwohner (2016)

niedrigster Wert: 12 (Landkreis Hildburghausen)

höchster Wert: 485 (Stadt Dortmund)

Quelle: BKA/PKS

Wurden die Täter zufällig geschnappt, präsentierten sie Wohnsitze in Deutschland, um nicht in Untersuchungshaft zu kommen. Klappte das, setzten sie sich möglichst schnell ins Ausland ab.

Etwa anderthalb Jahre lang verfolgten die Münchner Ermittler die Spuren des Roma-Clans. Sie hörten Telefonate ab, analysierten Facebook-Profile, filzten Konten, durchsuchten Wohnungen. Dabei entstand das Sittenbild einer der wohl größten Einbrecherbanden, die je in Deutschland unterwegs war: Etwa 500 Menschen aus rund 30 Familien gehören zu der Gruppe, wie es in einem Polizeibericht heißt. Sie verstünden sich als „kriminelle Parallelgesellschaft“, die Werte und Normen der bürgerlichen Welt ablehne. Es sei wie bei der Mafia.

„Runden drehen“

Das Geschäftsmodell: Einbrüche. Von ihrer Heimat Kroatien aus reisen Bandenmitglieder durch Europa, grasen ein paar Wochen Zürich ab, fahren dann ins Ruhrgebiet, ziehen weiter nach Berlin. Stets auf der Suche nach schneller Beute.

Regelmäßig wechseln die Mitglieder des Clans ihre Namen. In Kroatien lässt sich das ganz legal machen. Damit ist es für Ermittler in anderen Ländern schwierig, das Vorstrafenregister einer Person zu überblicken. Dann kommen die Täter, wenn sie denn einmal geschnappt werden, glimpflich davon.

Schon die Kinder des Clans werden nach Erkenntnissen der Ermittler auf eine kriminelle Karriere vorbereitet, die dort als völlig normal gilt. Berufe erlernten sie zumeist nicht, Bildung spiele keine Rolle. Die Beamten belauschten ein Telefonat, in dem eine Roma-Frau zu einer anderen sagte: Es sei besser, wenn ein Kind auf dem Markt Luftballons verkaufe, als dass es in die Schule gehe.

Während der Taten, das haben die Ermittler festgestellt, telefonieren die Einbrecher ständig mit ihren Vorgesetzten. Sie sprechen in Codewörtern: Einbrechen heißt „Runden drehen“. Beute ist „Essen“. Geld heißt „Läuse“. (Das Diebesgut können Sie sich hier ansehen, Stichwort „Cucina“.) Die Trupps spähen Häuser und Wohnungen laut Polizei meist nicht aus, sondern schauen spontan, wo man gut einsteigen kann.

Die Welt des Clans ist den Berichten der Polizei zufolge archaisch. Die Männer bestimmen, Frauen gehorchen. Gewalt ist ein probates Mittel, um Streit zu schlichten. Familienoberhäupter arrangieren Ehen. Und der Wert einer Frau lässt sich in Euro bemessen – je nachdem, wie gut sie einbricht. Die Polizisten kennen aus abgehörten Telefonaten Brautpreise zwischen 45.000 und 140.000 Euro.

Den Reichtum, den die Familien mit der Zeit angehäuft haben, zeigen sie in Kroatien offen. Bei Durchsuchungen der Anwesen fanden Ermittler Marmor und wertvolle Möbel, Springbrunnen verzieren die Gärten. Es gelte das Motto, notierte ein Beamter: „Man zeigt, was man hat.“www.spiegel.de

 

 

 

Die deutsche Polizei
Wohnungseinbrüche

Zuhause sind wir sicher, denken viele. Das Hab und Gut auch. Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland steigt aber von Jahr zu Jahr. Die Polizei soll das verhindern, doch die Statistik offenbart andere Zahlen: Die Einbrecher kommen meist davon.

Die Polizei kann nur wenige Fälle aufklären.

Was wissen wir über die Einbrecher?

Die Richter verurteilen nur wenige Täter.

Wie brechen die Täter ein?

Wie ermittelt die Polizei?

Moderne Software hilft bei den Ermittlungen.

Algorithmen helfen, Einbrüche vorherzusagen.

Was oft schon reicht: Tür abschließen

Die Polizei kann nur wenige Fälle aufklären

Die Anzahl der Wohnungseinbrüche nehmen zu: 2015 gab es zehn Prozent mehr registrierte Fälle als noch im Jahr zuvor.

Während Delikte wie Diebstahl oder Körperverletzung relativ konstant bleiben, steigen die Einbruchszahlen. Und: Die Polizei löst nur wenige Fälle.

2014 haben die Ermittler nur 15,9 Prozent aller gemeldeten Fälle klären können. Zum Vergleich: Im Schnitt löst die Polizei mehr als die Hälfte aller Kriminalfälle.

Das heißt: Die Polizei konnte den Tatverdächtigen identifizieren, aber nicht unbedingt dingfest machen. Meist fehlen genügend Beweise, damit ein Gericht die Täter verurteilen kann.

 Leichte Beute: Schmuck und Uhren die auf dem Nachttisch liegen

Die Zahlen stammen aus der polizeilichen Kriminalstatistik, die das Bundesministerium des Inneren jedes Jahr veröffentlicht. 2015 hat der Schaden durch Wohnungsdiebstähle 6,3 Prozent des Gesamtschadens aller registrierten Straftaten betragen.

Wer aber sind die Verursacher?

„Die hohen Fallzahlen sind nicht nur, aber vor allem auf reisende Tätergruppen aus Südost- und Osteuropa zurückzuführen“, sagte der Innenminister Thomas de Maizière, als er die Kriminalstatistik im Mai 2016 vorgestellt hat.

Thomas Bliesener, der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsens (KFN), sieht das anders: „Es ist schwer zu sagen, wer genau die Einbrecher sind“, sagt er. Schließlich kenne die Polizei nur einen Bruchteil der Tatverdächtigen.

Video starten, abbrechen mit Escape

Gaunerzinken: Wie Einbrecher miteinander kommunizieren | Planet Wissen | 08.11.2016 | 02:04 Min. | UT | WDR

Es könne zudem regionale Unterschiede geben: Wenn Täter aus Osteuropa etwa vermehrt in Nordrhein-Westfalen einbrechen, dann heißt das nicht gleich, dass das auch in Sachsen oder Bayern der Fall sein muss.

Die Mehrheit der registrierten Tatverdächtigen der Kriminalstatistik stammen aus Deutschland: insgesamt 10.574 sind von hier. Die Hälfte davon hat ihren Wohnsitz in der Tatortgemeinde.

Die registrierten Fälle dokumentieren außerdem 7096 Tatverdächtige, die nicht aus Deutschland stammen. Viele haben keinen festen oder einen unbekannten Wohnsitz. Die meisten stammen aus Serbien, Rumänien und der Türkei.

Die Polizei kann nur wenige Täter ermitteln

Die Richter verurteilen nur wenige Täter

Vor allem die reisenden Tatverächtigen ohne Wohnsitz stellen die Polizei vor eine Herausforderung. Die Ermittler können oft erst Hinweise sammeln, wenn es zu spät ist: nach der Tat. Das reicht häufig nicht aus, um den Täter zu überführen.

Die Verurteilungsquote liegt deutlich unter der Aufklärungsquote: Von 100 Tätern ermittelt die Polizei im Schnitt 16 Verdächtige, aber nur 3 von diesen 100 Tätern werden am Ende tatsächlich verurteilt.

Das hat eine Untersuchung des KFN ergeben. Die Autoren der Studie haben 2403 Fälle in Berlin, Hannover, München, Stuttgart und Bremerhaven untersucht.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt der Kriminologe F. Kawlovski, der 1881 Fälle im Ruhrgebiet untersucht hat: Nach seiner Studie beträgt die Verurteilungsquote zwei Prozent – sie ist damit ähnlich niedrig wie in der Untersuchung des KFN.

Wenn die Beweise fehlen können die Täter nicht verurteilt werden

Wie brechen die Täter ein?

Ob verurteilt oder nicht – alle Täter hinterlassen Spuren am Tatort. Und diese geben Aufschluss darüber, wie die Täter vorgegangen sind.

Die Täter lassen sich vieles einfallen, um in eine Wohnung oder ein Haus zu gelangen. Sie hebeln Fenster oder Türen auf, nutzen gekippte Fenster und Fenstertüren, schlagen Glas ein oder benutzen falsche Schlüssel für Türschlösser.

Im Mai 2016 nahm die Hamburger Polizei einen Einbrecher fest, der mithilfe eines Handbohrers in Fensterrahmen gebohrt hat.

Anschließend öffnete er die Fenster mit einem Draht. Die Polizei nennt die Person den „Bohrer“. Seine Methode hat er mit Erfolg angewendet: Der Bohrer soll für mindestens 200 Einbrüche verantwortlich sein.

Das Werkzeug des mutmaßlichen Serientäters in Hamburg: ein Bohrer

 

Drei Mythen über Wohnungseinbrüche

1. Tatzeit: Die Täter kommen nur nachts.

Viele der Einbrüche verüben die Täter tagsüber, zwischen 10 und 18 Uhr. Das besagt eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsens (KFN), in der 2403 Fälle aus Berlin, Hannover, München, Stuttgart und Bremerhaven untersucht worden sind.

Zu dem Ergebnis kommen auch die Autoren einer Studie des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen, die 719 aufgeklärte Taten untersucht haben. Ihr Ergebnis: Die Mehrheit der Einbrecher kam wenn es hell war.

2. Stockwerk: Oben ist sicher.

Nicht immer. Die Einbrecher steigen zwar am häufigsten ins Erdgeschoss ein, sie dringen aber auch in die oberen Stockwerke ein, sagen die Autoren der KFN-Studie.

3. Opfer: Diebe brechen vor allem in Villen ein.

Die Täter brechen nicht bloß in Einfamilienhäuser ein, sondern oft auch in Mehrfamilienhäuser (Quelle: KFN).

Wie die Polizei ermittelt

Polizei ist Ländersache. Das heißt: Wie die Polizei organisiert ist, unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. Auch die Dienststellen innerhalb eines Bundeslandes gehen unterschiedlich vor, wenn sie einen Einbruch untersuchen.

So ist es etwa je nach Land mal die Kriminalpolizei, mal die Schutzpolizei, die als erstes den Tatort untersucht.

Einbruch: Wie die Kriminalpolizei nach Spuren sucht | 02:56 Min.

Die Polizei sichert die Spuren, sucht nach Finger- und Schuhabdrücken, Erbgut oder Werkzeug. Die Polizisten befragen Zeugen und versuchen herauszufinden, ob es Zusammenhänge zu anderen Wohnungseinbrüchen gibt.

Die Ermittler erheben mitunter Verkehrsdaten oder beschlagnahmen Gegenstände. Wie die Polizei ermittelt, ist von Fall zu Fall verschieden.

Spurensuche: Auf der Jagd der Täter

Den Täter mit neuen Methoden finden

Bayern oder Baden-Württemberg nutzen es, Nordrhein-Westfalen testet es noch: Predictive Policing. Damit sind Computerprogramme gemeint, die den Polizeibeamten helfen sollen, künftige Einbrüche vorherzusagen.

Wohnungseinbruchsradar: Einbrüche verhindern | 02:39 Min.

Die Polizei füttert die Algorithmen mit Daten: Wo ist eingebrochen worden? Wann? Wie war das Wetter? Wie die Verkehrslage? Die Software berechnet dann die Gebiete, die in der Vergangenheit besonders einbruchsgefährdet gewesen sind.

Eins von vielen Vorhersageprogrammen: Die Software „Precobs“

Algorithmen sollen helfen, Einbrüche vorherzusagen

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen analysiert, welche verschiedenen Faktoren zusammenkommen, wenn es zu einem Einbruch kommt. Daraus leitet sie ab, wo künftig ein Einbruch geschehen könnte. In Bayern und Baden-Württemberg geht die Polizei anders vor. Ihr Ansatz: Wo ein Einbruch stattgefunden hat, wird in Kürze auch der nächste folgen.

Die Programme visualisieren die Gebiete mit erhöhter Einbruchswahrscheinlichkeit farbig auf einer Karte. Die Polizei kann dann etwa entscheiden, ob sie mehr Wagen auf Streife schickt. Ob die Computervorhersagen tatsächlich zum Erfolg führen, ist noch unklar – das müssen künftige Studien erst noch untersuchen.

Auch die Polizei in Hamburg setzt auf die neue Technik

Was oft schon reicht: die Tür abschließen

Die Polizei will nicht bloß helfen, wenn es zu spät ist. Sie will auch Prävention leisten, indem sie beispielsweise die Menschen für Einbrüche sensibilisiert. Es kann schon reichen, die Tür abzuschließen, um einen Einbruch zu verhindern. Denn auch Gelegenheit macht Diebe. Und so können auch wir durch unser Verhalten dazu beitragen, Einbrüche zu verhindern.

Alarmanlagen oder Bewegungsmelder am Haus können Einbrecher abschrecken mehr aber auch nicht !
Autorin: Anja Wölker

Mehr:
http://www1.wdr.de/verbraucher/wohnen/uebersicht-einbruch-100.html

 

Besonders organisierte und reisende Einbrecherbanden halten Polizei und Justiz in Atem. Immer weniger Taten werden aufgeklärt, Verurteilungen sind eine Seltenheit. Viele Opfer sind schockiert oder traumatisiert, fühlen sich in den eigenen vier Wänden unsicher.
Warum werden so wenige Einbrecher gefasst?
Die Dokumentation schildert spektakuläre Einbruchsfälle, begleitet die Polizei bei ihren Einsätzen und lässt Experten und Kriminologen zu Wort kommen. Ein ehemaliger Einbrecher verrät, wie professionelle Täter ihre Opfer auswählen, die Taten planen und ausführen. Ein Sicherheitsberater zeigt auf, wie leicht es Profis häufig gemacht wird, in Häuser und Wohnungen einzudringen. Er zeigt aber auch, wie man sich bestmöglich schützen kann.

Außerdem geht der Film der Frage nach, warum in Deutschland nur so wenige Einbrecher verurteilt werden. Was muss sich ändern, um Täter leichter dingfest zu machen und die dramatischen Einbruchszahlen zu verringern?
https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/einbruchsparadies-deutschland-100.html#autoplay=true

 

 

Einbrecher, Geldwäscher, Mafiosi

Wie Deutschland im Kampf gegen Schwerkriminalität versagt
Deutschland ist ein Paradies für Mafiosi, sagt ein ehemaliger Chefermittler. Auch Einbrecherbanden und Geldwäscher fühlen sich in der Bundesrepublik sehr wohl – sie haben wenig zu befürchten.

Ein Beitrag zur Themenwoche „Sicherheit“ von Jörg Diehl

Getty Images
Nachgestellter Einbruch

 

Der Mann lässt sich „Boss“ nennen, und seine Kumpanen sind keine sparsamen Leute. In Telefonaten palavern sie gerne über Ferraris, AMG-getunte Karossen von Mercedes oder Geländewagen von Audi. Mit Uhrenhändlern feilschen die Männer über verschiedene Rolex-Modelle – und auch Häuser wollen sie kaufen. Offiziell bezieht die Sippschaft, die in einem Ballungsgebiet im Westen der Republik lebt, übrigens Sozialhilfe.

Woher stammt ihr Vermögen?
Die Männer um den „Boss“ sollen jede Menge Einbrüche begangen haben, unter anderem. Er habe den Eindruck, notierte ein Ermittler in einem Vermerk zu abgehörten Telefonaten, dass es dem „Boss“ und seiner Sippe „fast rund um die Uhr nur um die Vorbereitung und Durchführung von Straftaten geht“. Zu Einbrüchen kamen Taschen- und Ladendiebstähle, Kontoeröffnungsbetrügereien und das Erschleichen von Sozialleistungen. In den überwachten Telefonaten der Männer purzelten die Nullen, es ging um Hunderttausende, zuweilen um Geschäfte im Millionenbereich. Überführen konnte die Polizei den „Boss“ und seine Leute trotzdem nie.

Einbruchsatlas Deutschland

20162015201420132012Entwicklung
Registrierte Fälle von Wohnungseinbruchdiebstahl je 100.000 Einwohner (2016)

 

niedrigster Wert: 12 (Landkreis Hildburghausen)

höchster Wert: 485 (Stadt Dortmund)
Quelle: BKA/PKS

Wie so häufig fehlte es der Polizei auch in diesem Fall an Personal, Technik und Geld für die Ermittlungen: Allein die Telefonüberwachungen Dutzender Anschlüsse, die Übersetzungen aus dem Rumänischen, Italienischen und aus Romanes seien ungeheuer zeitintensiv, so der Chefermittler. Zudem kommunizierten die Täter am Telefon zumeist nur über Unverfängliches und verabredeten sich immer wieder zu Gesprächen bei Skype und WhatsApp, die die Polizei nicht abhören kann. Und Observationen waren schon bald nicht mehr möglich, weil das Mobile Einsatzkommando Islamisten überwachen musste. Der Kampf gegen den Terror stach den Kampf gegen Einbrecher.

Die Sicherheitslage spitzt sich weiter zu


Reise-Deals
„Die Ressourcen reichen hinten und vorne nicht mehr. Das ist der wahre Grund dafür, warum wir mit der Kriminalitätsentwicklung nicht mehr Schritt halten können“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Sebastian Fiedler. Es fehlten Abertausende Kriminalbeamte, so Fiedler. Zwar werden derzeit viele Polizeieinheiten personell verstärkt, doch selbst mittelfristig reichen die Neueinstellungen kaum aus, um die Zahl der Pensionierungen auszugleichen – und den Personalbestand zu halten. Zugleich spitzt sich die Sicherheitslage weiter zu.
Über viele Jahre haben Innenpolitiker darauf vertraut, dass in einer immer älter werdenden Gesellschaft immer weniger Kriminalität anfällt – und daher weniger Polizei nötig ist. Doch diese Rechnung war naiv, ließ sie doch außer Acht, dass in Zeiten der Globalisierung und umfassender Reisemöglichkeiten Straftäter aus aller Herren Länder dort Beute zu machen beabsichtigen, wo es viel zu holen gibt. Und sie ließ außer Acht, dass das Wohlstandsgefälle innerhalb und außerhalb der Europäischen Union noch immer gewaltig ist.

 

DPA
Einsatz gegen organisierte Kriminalität in Frankfurt (Archiv)
So stammten beispielsweise tatverdächtige Einbrecher in Nordrhein-Westfalen in 2015 am häufigsten aus folgenden Staaten: Serbien, Rumänien, Türkei, Albanien, Georgien. Die Zahl der rumänischen Verdächtigen habe sich in fünf Jahren vervierfacht, die der Albaner verachtfacht und die der Georgier sogar verzehnfacht, so der Leitende Kriminaldirektor Joachim Eschemann vom Düsseldorfer Landeskriminalamt. „Unsere Sanktionsmöglichkeiten schrecken niemanden in den Hauptherkunftsstaaten der Einbrecher ab“, so Eschemann. Dort werde sogar damit geworben: „Kommt nach Deutschland – hier passiert euch nichts.“

Das Grundproblem sei, sagt Eschemann: „Die Kriminellen können samt Beute problemlos kreuz und quer durch die EU reisen. Die Ermittlungsbehörden aber arbeiten erst einmal national.“ Das Überschreiten jeder Grenze koste sehr viel Zeit. Daher müsse die internationale Zusammenarbeit, der schnelle Datenaustausch, dringend verbessert werden: „Der Haftrichter in NRW muss auch Informationen über Taten in anderen EU-Staaten bekommen können“, so Eschemann.

 

Die Mafia fühlt sich wohl in Deutschland

Aber Deutschland ist nicht nur ein Paradies für Täter, die es auf das Eigentum anderer abgesehen haben, sondern auch für Kriminelle, die ihr illegal gemachtes Vermögen investieren wollen.
Der Strafrechtler Kai Bussmann kam in einer Studie für die Bundesregierung zu dem Ergebnis, dass – konservativ geschätzt – jährlich etwa 100 Milliarden Euro, die aus Verbrechen stammen, in der Bundesrepublik angelegt werden. Für bis zu 20 Milliarden Euro kauften Kriminelle oder ihre Handlanger jedes Jahr Immobilien in Deutschland, so Bussmann.
Ein Grund dafür, dass sehr viel kriminelles Geld nach Deutschland fließt, ist die Möglichkeit, hierzulande enorme Bargeldgeschäfte machen zu können. In zahlreichen anderen Ländern der Europäischen Union geht das nicht mehr. „Wir unterstützen weltweit die organisierte Kriminalität“, so Bussmann.
Wie wohl sich daher etwa die italienische Mafia in Deutschland fühlt, zeigt unter anderem der Fall von Vito Zampani* aus Münster. Seit 30 Jahren soll er in Deutschland in kriminelle Geschäfte verwickelt sein, so steht es in seiner Akte. Er wurde verdächtigt, an einer großen Kokainlieferung aus Südamerika beteiligt gewesen zu sein, er soll Betrügereien koordiniert, Steuern hinterzogen und Geld gewaschen haben.
Doch überführt wurde Vito Zampani nie. Denn der Gastronom hat – ebenso wie die Mafia insgesamt – verstanden, dass man in Ruhe gelassen wird, wenn man Ruhe bewahrt. Kriminelle haben in Deutschland wenig zu befürchten, wenn sie ihre schmutzigen Geschäfte geräuschlos erledigen.

 

So hat sich die Zahl der Mafiosi in Deutschland, die den Sicherheitsbehörden bekannt sind, in den vergangenen neun Jahren verdreifacht. Die Dunkelziffer könnte noch deutlich höher sein.
„Die Mafia fühlt sich bei uns sauwohl“, sagt der frühere Chefermittler Heinz Sprenger, der die Mafia-Morde von Duisburg klärte. Und er fügt hinzu: „Deutschland ist ein Paradies für Mafiosi.“

Ps.Verkehrsverstöße werden direkt und härter bestraft !

Islamistischer Terror
Wie gut ist Deutschland gerüstet?
Die Zahl der Ermittlungsverfahren gegen mutmaßliche islamistische Terroristen hat sich binnen weniger Jahre fast verzehnfacht. Polizei und Justiz steuern auf gewaltige Ressourcenprobleme zu.

Ein Beitrag zur Themenwoche „Sicherheit“ von Jörg Diehl

DPA
Spezialeinheit der Bundespolizei

 

Wo steht Deutschland: bei der Integration von Flüchtlingen, dem Umweltschutz, der sozialen Gerechtigkeit? Wir wollen es herausfinden – und berichten in sieben Themenwochen über Deutschland im Wahljahr 2017.
Einen Überblick finden Sie hier.
Anfang des Jahres schrieb der Generalbundesanwalt den Justizministern der Länder einen zweiseitigen Brief, Aktenzeichen 2200/3 E, Betreff: „Dienstverhältnisse der Richter und Staatsanwälte im Allgemeinen“. Doch hinter dem eher harmlos daherkommenden Thema verbarg sich ein dringender Hilferuf an die Länder, die Bundesanwaltschaft mit Personal zu unterstützen.

Die Zahl der Terrorverfahren sei zuletzt so dramatisch gestiegen, dass „die Grenzen der Leistungsfähigkeit der Bundesanwaltschaft erreicht sind“, ließ Chefankläger Peter Frank die Justizminister wissen. „Die Bekämpfung des Terrorismus und damit die Verhinderung von Anschlägen“, so Frank, „ist eine gesamtstaatliche Aufgabe, die meine Behörde ohne ausreichende personelle Unterstützung durch die Länder nicht mehr umfassend gewährleisten kann.“
Selten zuvor hat ein Generalbundesanwalt so deutliche Worte gewählt. Tatsächlich ist die Zahl der Terrorverfahren in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Der Grund: Islamistische Milizen wie der „Islamische Staat“ (IS) setzen konsequent auf eine Mitmachstrategie, die im Prinzip jeden Gescheiterten oder Verirrten anspricht. Religiöse Vorkenntnisse oder gar ein frommer Lebenswandel sind für Attentäter kaum erforderlich, das Reservoir für potenziellen Terrornachwuchs scheint nahezu grenzenlos zu sein.
Die Taten in Berlin und Ansbach haben gezeigt, dass eine regelrechte Fernsteuerung eines Dschihadisten bis zum Anschlag erfolgen kann. Mentoren des IS inspirieren die Freiwilligen über verschlüsselte Messenger, leiten sie an, geben Tipps und begleiten sie bis zu ihrer Bluttat. Die Zeiten, in denen nur wenige Täter Akte des Terrors verübten, wie etwa bei der RAF, seien längst vorbei, so ein erfahrener Terrorermittler.
Tausende Verfahren könnten hinzukommen

Reise-Deals
Generalbundesanwalt Frank sagte vor einiger Zeit, dass seine Behörde in diesem Jahr aller Voraussicht nach bis zu 600 Terrorverfahren einleiten werde. 2016 seien es insgesamt rund 250 gewesen, im Jahr 2013 sogar nur 68. Überwiegend handle es sich inzwischen um Fälle aus dem islamistischen Spektrum, so Frank. Auch dieser Anteil sei vor wenigen Jahren noch deutlich geringer gewesen. Hinzu kommen womöglich in den nächsten Jahren Tausende Ermittlungen gegen Männer, die als Flüchtlinge nach Deutschland eingereist sind und sich in ihren Asyl-Anhörungen selbst der Mitgliedschaft in terroristischen Gruppierungen wie etwa den Taliban bezichtigt haben.

 

DPA
BKA-Chef Holger Münch (l.), Generalbundesanwalt Peter Frank

„Die Flut der Verfahren kommt erst noch“, sagte der Leiter der Abteilung Terrorismus, Bundesanwalt Thomas Beck, unlängst bei einer Tagung in Mainz. „Die Justiz muss dafür massiv aufgerüstet werden.“ Ansonsten drohten Terrorprozesse den Geschäftsbetrieb mancher Gerichte vollständig lahmzulegen. Bislang stockt die Justiz in Bund und Ländern ihren Personalbestand allerdings nur sehr zögerlich auf. Noch weniger tut sich im Strafvollzug, vielerorts sind Gefängnisse schon heute überbelegt.
Aber nicht nur die Strafverfolgung gerät zunehmend an ihre Grenzen, auch die Abwehr von Gefahren, als Aufgabe von Polizei und Nachrichtendiensten, hat bislang unbekannte Dimensionen angenommen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz zählt derzeit 10.000 Salafisten und 1600 gewaltbereite Islamisten. Täglich erhält der Inlandsgeheimdienst nach eigenen Angaben bis zu vier Hinweise auf angeblich bevorstehende Anschläge, allen muss nachgegangen werden.
Auf richtige Prioritäten hoffen

Die Polizeibehörden von Bund und Ländern wiederum kennen 690 sogenannte Gefährder, denen sie jederzeit Anschläge zutrauen. „Diese Dimensionen sind kaum noch beherrschbar“, sagt ein hochrangiger Beamter aus Berlin. „Vielfach müssen wir einfach hoffen, dass wir die richtigen Prioritäten setzen.“
Im Fall von Anis Amri entschied sich das Berliner Landeskriminalamt falsch. Die Staatsschützer hatten den Eindruck, dass Amri im Sommer 2016 in die Drogenszene abgeglitten war. Er konsumierte und verkaufte Kokain und schien viele Monate lang einen wenig frommen Lebenswandel zu führen. Dass er sich wenige Wochen vor dem Anschlag auf den Breitscheidplatz erneut radikalisiert hatte, unter dem Einfluss einer gezielten Aufstachelung im Chatprogramm Telegram, verpassten die Fahnder. Ein verhängnisvoller Fehler, der nach Aussagen sachkundiger Beamter womöglich aus Überlastung geschah. Nordrhein-Westfalen und Berlin sind vom Phänomen Islamismus ganz besonders stark betroffen – das Personal der Behörden ist knapp.

 

AFP/ BKA
Anis Amri
So braucht es zur lückenlosen Observation eines Gefährders bis zu 30 Beamte, die allerdings auch nicht mehr tun können, als hinter einem Extremisten herzulaufen und seine Kontaktpersonen zu fotografieren. Die Telefone von Gefährdern wiederum darf die Polizei in manchen Bundesländern, etwa in Nordrhein-Westfalen und Berlin, nicht abhören – und verschlüsselte Kommunikation kann sie kaum knacken. Dem Rechtsstaat ist mancherorts wenig recht, wenn es um den Schutz seiner Bürger geht.

 

Allerdings hat sich nach dem Anschlag Amris der Umgang mit den Gefährdern geändert, die keine Deutschen sind. Während im Falle des Tunesiers Amri die nordrhein-westfälischen Behörden sich dagegen entschieden hatten, ihn auf der Grundlage des Paragrafen 58a Aufenthaltsgesetz abzuschieben, haben Bremen und Niedersachsen diese rechtliche Möglichkeit nun wiederholt genutzt. Das Bundesverwaltungsgericht hat die Entscheidungen der Innenministerien inzwischen bestätigt.
Die Terrorgefahr in Deutschland bleibt trotzdem – wie es im Behördenjargon heißt – „abstrakt hoch“. Daran dürfte sich wenig ändern. Unisono sagen alle hochrangigen Vertreter deutscher Sicherheitsbehörden, es sei keine Frage, ob ein weiterer Anschlag geschehe. Die Frage sei nur, wann er geschehe.

www.spiegel.de